Infos & Fakten

Wie viele Migranten muss die Gemeinde Kerken aufnehmen? Was ist eine Aufenthaltsgestattung und was ein Aufenthaltstitel? Welche Rechte und Pflichten haben Asylbewerber? Welche Leistungen erhalten sie? An dieser Stelle haben wir die wichtigsten Fakten für Sie übersichtlich zusammengestellt:

Begriffsbestimmungen

Begriffsbestimmungen

Auf Basis der Genfer Flüchtlingskonvention gelten Menschen als Flüchtlinge, die sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren aufgrund ihrer

  • Rasse (der Begriff "Rasse" wird in Anlehnung an den Vertragstext der Genfer Flüchtlingskonvention verwendet),
  • Nationalität,
  • politischen Überzeugung,
  • religiösen Grundentscheidung oder
  • Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe (als bestimmte soziale Gruppe kann auch eine Gruppe gelten, die sich auf das gemeinsame Merkmal der sexuellen Orientierung gründet)

außerhalb ihres Herkunftslands befinden und sie den Schutz ihres Herkunftslands nicht in Anspruch nehmen können oder aufgrund der begründeten Furcht nicht in Anspruch nehmen wollen.

Flüchtlinge, Asylsuchende, Asylberechtigung, Flüchtlingsschutz, subsidiärer Schutz, Aufenthaltserlaubnis u.v.a. Das Grundgesetz, Asyl- und Aufenthaltsgesetz sind voll von unterschiedlichen Begriffsbestimmungen. Hier finden Sie eine kurze Übersicht der wichtigsten Themen.

Begriff   Erklärung
     
Flüchtling   Im Alltag Synonym für geflüchtete Menschen, im Verständnis des Asylrechts jedoch ausschließlich anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention.
Asylsuchende   Personen, die beabsichtigen, einen Asylantrag zu stellen und die noch nicht als Asylantragstellende beim Bundesamt erfasst sind.
Asylantragstellende   Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die sich im Asylverfahren befinden und deren Verfahren noch nicht entschieden wurde.
Schutz- und Bleibeberechtigte   Personen, die eine Asylberechtigung, den Flüchtlingsschutz oder einen subsidiären Schutz erhalten oder aufgrund eines Abschiebungsverbots in Deutschland bleiben dürfen.
Asylberechtigung Art. 16a GG Asylberechtigte sind politisch Verfolgte, die im Falle der Rückkehr in ihr Herkunftsland einer schwerwiegenden Menschenrechtsverletzung ausgesetzt sein werden.
Flüchtlingsschutz §3 AsylG Der Flüchtlingsschutz ist umfangreicher als die Asylberechtigung und basiert auf der Genfer Flüchtlingskonvention. Sie greift auch bei der Verfolgung von nichtstaatlichen Akteuren ein.
Subsidiärer Schutz §4 AsylG Der subsidiäre Schutz greift ein, wenn weder der Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewährt werden können und im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht.
Abschiebungsverbot §60 AufenthG Ein schutzsuchender Mensch darf nicht rückgeführt werden, wenn die Rückführung in den Zielstaat eine Verletzung der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) darstellt, oder dort eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht.
Aufenthaltserlaubnis §§25,26 AufenthH Asylberechtigte erhalten von ihrer Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Dasselbe gilt, wenn die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden ist.
Aufenthaltsgestattung §55 AsylG

Das Bundesamt erteilt Asylbewerberinnen und Asylbewerbern, die sich noch im Asylverfahren befinden, eine Aufenthaltsgestattung. Diese berechtigt sie bis zum Abschluss des Asylverfahrens, das heißt bis zur Entscheidung über den Asylantrag, in Deutschland zu leben und unter bestimmten Bedingungen zu arbeiten.

Duldung §60 AufenthG Personen, die sich nicht (mehr) im Asylverfahren befinden bzw. einen negativen Bescheid erhalten haben, aber bei denen die Abschiebung ausgesetzt wurde, erhalten von der Ausländerbehörde eine "Bescheinigung für die Aussetzung einer Abschiebung", die Duldung genannt wird.

Folgende Ausweisdokumente (MUSTER) werden vergeben:

Aufenthaltserlaubnis

eAt beidseitig

 Aufenthaltsgestattung

aufenthaltstitel aufenthaltsgestattung

Aufenthaltsduldung

aufenthaltstitel duldung

Quelle: www.bamf.de

Bleibeperspektive

> 50% entscheidend

Menschen, die aus Herkunftsländern mit einer Schutzquote von über 50 Prozent kommen, haben eine gute Bleibeperspektive. 2016 trifft dies auf die Herkunftsländer Eritrea, Irak, Iran, Somalia und Syrien zu. Welche Herkunftsländer das Kriterium Schutzquote  >/= 50 %  erfüllen, wird halbjährlich festgelegt.

Das Kriterium einer guten Bleibeperspektive gilt nur bei Personen mit einer Aufenthaltsgestattung gem. § 55 Abs. 1 AsylG.

Zu den "sicheren Herkunftsländern" hingegen zählen Albanien, Bosnien-Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazodonien, Montenegro, Senegal Serbien.

Geldleistungen

Asylbewerber erhalten Leistungen zur Deckung des notwendigen Bedarfs und persönlicher Bedürfnisse des täglichen Lebens.

Während der Unterbringung in einer Sammelunterkunft erhalten sie ein sogenanntes Taschengeld und nach dem Umzug in eine Wohnung wird der Bedarf für die Unterkunft, Heizung, Verpflegung und Hausrat zusätzlich gedeckt.

Wenn bedürftige Migranten seit mehr als 15 Monaten in Deutschland leben, stehen ihnen Leistungen in Höhe der Sozialhilfe zu. Im Vergleich zu dem Betrag, den ein Arbeitslosengeld-II- Bezieher erhält, fallen die materiellen Zuwendungen für Geflüchtete geringer aus.

fluechtlinge leistungen

Quelle: www.krankenkassezentrale.de

Gerüchte über Asylsuchende

Die Internetseite www.hoaxmap.org ist entstanden, um eine zunehmene Zahl von - teilweise bewusst gestreuten - Gerüchten aufzuklären und deren Richtigstellung zu erleichtern. Sämtliche "Auflösungen" sind dabei etablierten Medien entnommen und zu eben diesen verlinkt. Sofern kein Datum für den jeweiligen Vorfall aufgeführt ist, wurde das Datum des Artikels übernommen. In den wenigen Fällen, in denen kein konkreter Ort angegeben war, wurde die Hauptstadt des Landkreises bzw. Bundeslandes übernommen.

In der bundesweiten Sammlung tauchen auch einige Gerüchte auf, die sich nicht direkt auf Asylsuchende beziehen. Zum einen wurden einige Fälle mit Gerüchten über Menschen mit "südländischem Aussehen" oder "nichtdeutschem Akzent" aufgenommen. Diese Art von Beschreibungen wird aktuell häufig mit Geflüchteten in Verbindung gebracht. Zum anderen sind auch angebliche Straftaten oder Repressionsmaßnahmen gegen Teilnehmer rassistischer Demonstrationen aufgeführt. Diese wurden mit aufgenommen, weil sie ebenfalls das Narrativ der Meinungsunterdrückung und das Weltbild der Gerüchteerzähler bestärken.  

"Es gibt uralte Vorurteile und Stereotype, die das Fremde als Bedrohung betrachten“, sagt Lena Frischlich, Medien- und Sozialpsychologin an der Uni Köln. „Solche Falschmeldungen sind eine Bestätigung dieser Vorurteile. Es passt in das vorgefertigte Bild. Man wurde immer wieder vor „dem Wolf“ gewarnt, und plötzlich ist er da.“
(Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 02.02.2016)

www.hoaxmap.org

Herkunftsländer

fluechtlinge herkunftslaender 201705Die Aufgabe der Zusweisung von Migranten an die Gemeinde Kerken übernimmt die Bezirksregierung Arnsberg. Kerken hat hierbei keinen Einfluss darauf, welche Nationalitäten und Religionszugehörigkeiten, ob Einzelreisende oder Familien mit Kindern zugewiesen werden. Die Bezirksregierung hat sich aber eine faire, gleichmäßige und gerechte Verteilung der unterschielichen Merkmale zum Ziel gesetzt.


In der folgenden Übersicht finden Sie den derzeitig gültigen Status aller uns zugewiesenen Flüchtlinge (Stand: Dezember 2017).

Migranten gesamt Familien Kinder Einzelpersonen Herkunft
141 17 38 103 Afghanistan Ghana Mongolei
        Algerien Guinea Nigeria
        Armenien Indien Russland
        Aserbaidschan Irak Serbien
        Bangladesch Iran Somalia
        China Kamerun Sri Lanka
        Elfenbeinküste Kosovo Syrien
        Eritrea Marokko Tadschikistan
        Georgien Mazedonien Türkei

Die Hauptherkunftsländer der 2016 nach Deutschland eingereisten Migranten stellt die folgende Grafik dar.

fluechtlinge herkunftslaender 2016


 

Integriertes Flüchtlingsmanagement

Integriertes Flüchtlingsmanagement

integr fluecht manage filmIm Jahr 2015 sind sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, die Bund, Länder und Kommunen vor eine große Herausforderung gestellt haben.

 

Um die Steuerung und Bewältigung dieser Herausforderungen zu gewährleisten, wurde ein Integriertes Flüchtlingsmanagement eingerichtet. Den Kern dieser Konzeption bilden die sogenannten "Ankunftszentren", in denen die bis dahin auf mehrere Stationen aufgeteilten Schritte im Asylverfahren gebündelt werden. Mittlerweile gibt es in allen 16 Bundesländern mindestens ein Ankunftszentrum.


Das Integrierte Flüchtlingsmanagement

  • leitet alle ankommenen Flüchtlinge in das Asylverfahren
  • stellt die Registrierung aller Asyssuchenden sicher
  • gewährleistet einheitliche und hohe Sicherheitsstandards im Asylverfahrensprozess
  • integriert die Prozesse auf Bundes- und Landesebene
  • verkürzt die Verfahrensdauer durch ein systematisches Cluster-Verfahren
  • fördert die Integration von Asylsuchenden mit guter Bleibeperspektive.

Das Integrierte Flüchtlingsmanagement umfasst drei Phasen.

  1. Ankunft und Registrierung, u.a.
     + Erfassung aller wesentlichen Daten in eine deutschlandweite Datenbank
     + Erkennungsdienstliche Behandlung
     + Speicherung der Fingerabdrückeifm erkennung
     + Echtheitsprüfung vorhandener Ausweispapiere

  2. Asylverfahren
     + Anhörung
     + Antrastellung
     + Informationsbeschaffung
     + Erstellung und Zustellung des Bescheids

  3. Integration bzw. Rückkehr oder Rückführung

ifm deutschkursZiel des Verfahrens ist die gute und schnelle Integration der anerkannten Migranten bzw. derer mit einer hohen Bleibeperspektive. Allen diesen Flüchtlingen wird ein Integrationskurs angeboten, damit sie zeitnah deutsche Sprachkenntnisse und Wissen über die deutsche Kultur erwerben. Wichtig in diesem Konzept ist auch eine nahtlose Aufnahme in den deutschen Arbeitsmarkt.

Antragstellende mit negativem Asylbescheid kehren entweder freiwillig in ihr Herkunftsland zurück oder werden von den zuständigen Ausländerbehörden zurückgeführt.

Von den Ankunftszentren aus werden die Asylsuchenden in ein Erstaufnahmezentrum der jeweiligen Bundesländer weitergeleitet.

Die Integration der Migranten erflogt am Ende vor Ort in den Städten und Kommunen. Der Staat ist hier auf die Unterstützung seiner Bürgerinnen und Bürger in hohem Maße angewiesen, wenn die Herausforderung, diese Menschen in unserer Gesellschaft aufzunehmen und sie zu einem Bestandteil unseres Miteinanders zu machen, gelingen soll. Eine Chance auf ein besseres Leben haben diese Menschen zumindest verdient.

ifm buerger   ifm lotsen

Ob in der Gemeinschaft mit anderen oder als Einzeperson: Ihre Hilfe wird benötigt!

Unterbringung

Unterbringung

Die Unterbringung der etwa 250 erwarteten Flüchtlinge erfolgt an verschiedenen Standorten in Containeren (nur vorübergehend), Blockhäusern und in von der Gemeinde gemieteten bzw. noch zu errichteten Wohnräumen. Folgende Standorte sind dabei zunächst vorgesehen:

OrtschaftStandortmaximale Kapazitätderzeitige/geplante³ BelegungBemerkungen
Aldekerk        
  Hochstraße 55 19 bestehende Einrichtung
  Güterstraße 48 33 ggü. Raiffeisenzentrale
Nieukerk        
  Am Aermen Düwel² 56 21 nur vorübergehender Standort²
  Am Weinberg (64) (48)³ Nach Errichtung von Wohnhäusern ab ca. März 2018
  Friedensstraße 13 13  
  Südstraße 13 09  
  Grauelsweg (30) (30)³ Nach Errichtung von Wohnhäusern ab ca. März 2018
  Oststraße² 60 29 nur vorübergehender Standort²
  Slousenweg 12 06 bestehende Einrichtung
Winternam        
  Alte Schule 37 07 bestehende Einrichtung
Mietwohnungen        
  diverse   04 von anerkannten Flüchtlingen selbst angemietet
Gesamt

294

(ohne Grauelsweg
und Weinberg)

141

(ohne Grauelsweg
und Weinberg)

Stand: 01.12.2017

Wir versuchen in den Planungen, die Belegungszahl der unterschiedlichen Standorte für die Bewohner und die Anwohner so sozialverträglich wie möglich zu bemessen. Dabei berücksichtigen wir die verschiedenden Geschlechter, Herkunftsarten und Ethnien und achten bei der Zuweisung besonders auf schützenswerte Gruppen, wie z.B. Familien mit Kindern. Je nach Entwicklung der weiteren Zahl und der Art der Zuweisungen - auf die die Gemeinde keinen Einfluss hat - kann es jederzeit zu Abweichungen von den o.a. Planzahlen kommen.

²Die Standorte Am Aermen Düwel und an der Oststraße dienen nur der vorübergehenden Unterbringung und sollen nach Fertigstellung von Häusern in massiver Bauweise durch die Standorte Am Weinberg und am Grauelsweg ersetzt werden.

Bebauungsbeispiel für Blockhäuser

blockhaeuser beispiel

Zahlen und Fakten

Seit 1953 stellten rd. 5,3 Millionen Menschen in Deutschland einen Asylantrag, davon 4,4 Millionen seit 1990. Im Jahr 2016 wurden Asylanträge von insgesamt 745.545 Personen in Deutschland verzeichnet. Dies ist der höchste Jahreswert seit Bestehen des Bundesamtes. Im Vergleich zum Jahr 2015 mit 476.649 Asylanträgen ergibt sich ein Zuwachs von 56,4 %.  Tatsächlich im Jahr 2016 als Asylsuchende in Deutschland eingereist sind nach vorläufiger Berechnung ca. 280.000 Personen. 

Die folgenden Tabellen und Grafiken zeigen die Entwicklungen der Flüchtlingszahlen der vergangenen Jahre.

fluechtlinge asylantraege 07 16

fluechtlinge herkunftslaender 13 16

fluechtlinge asylerstantraege 2016

fluechtlinge asylerstantraege 2015

Quelle: www.bamf.de